Richtig auswählen
Schreibtisch und Bürostuhl auswählen: die Maße, die zählen
Sitzhöhe, Tischtiefe, Verstellwege und die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung: woran sich entscheidet, ob ein Arbeitsplatz acht Stunden trägt.

Ein Arbeitsplatz zu Hause wird meistens in der falschen Reihenfolge gekauft: zuerst der Tisch, weil er in die Ecke passt, dann der Stuhl, weil er übrig war, und zuletzt der Bildschirm, der dann zu tief steht. Das Ergebnis ist eine Haltung, die man nach zwei Stunden spürt und nach zwei Jahren nicht mehr los wird.
Dieser Ratgeber dreht die Reihenfolge um und nennt zu jeder Entscheidung das Maß, an dem sie sich festmacht. Die Anforderungen stammen aus dem Anhang der Arbeitsstättenverordnung, alle Preise sind Beispielwerte. Diese Website testet keine Möbel und zeigt keine Händlerpreise an.
Die Sitzhöhe folgt der Unterschenkellänge, nicht dem Katalog
Setzen Sie sich aufrecht auf einen festen Stuhl und messen Sie den Abstand von der Kniekehle bis zum Boden, mit den Schuhen, die Sie zu Hause tragen. Das ist Ihre Sitzhöhe. Die Füße stehen dabei vollständig auf dem Boden, Ober- und Unterschenkel bilden ungefähr einen rechten Winkel, und zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante bleibt eine Handbreit Platz.
Erst danach ergibt sich die Tischhöhe: Die Unterarme liegen waagerecht auf der Platte, die Schultern bleiben unten. Bei einem festen Tisch mit 74 Zentimetern Höhe passt diese Kombination nur für einen Teil der Bevölkerung. Wer kleiner ist, braucht eine Fußstütze, wer größer ist, einen höhenverstellbaren Tisch oder Tischbeinverlängerungen.
Diese Reihenfolge ist der Grund, warum ein höhenverstellbarer Tisch für 450 € häufig die bessere Investition ist als ein Stuhl für 900 €. Der Stuhl lässt sich an fast jeden Körper anpassen, die feste Tischhöhe nicht.

- Sitzhöhe messen: Kniekehle bis Boden, mit Schuhen, aufrecht sitzend
- Stuhl auf diese Höhe einstellen und prüfen, ob beide Füße flach stehen
- Unterarme waagerecht auflegen und die passende Tischhöhe ablesen
- Differenz zur vorhandenen Tischplatte notieren und entscheiden: Fußstütze oder Verstellung
- Bildschirmhöhe zuletzt anpassen, erst wenn Stuhl und Tisch stehen
Was die Arbeitsstättenverordnung tatsächlich verlangt
Der Anhang der Arbeitsstättenverordnung enthält unter Nummer 6 Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen. Danach muss der Bildschirm frei und leicht dreh- und neigbar sein und reflexionsarme Oberflächen haben; die Darstellung soll flimmerfrei sein und keine Verzerrungen aufweisen.
Die Tastatur muss nach demselben Anhang eine vom Bildschirm getrennte Einheit darstellen und neigbar sein. Für die Arbeitsfläche steht dort ein Satz, der in kaum einer Produktbeschreibung auftaucht und trotzdem die Tischtiefe bestimmt: Die Arbeitsfläche vor der Tastatur muss ein Auflegen der Handballen ermöglichen.
Zur Beleuchtung verlangt der Anhang, dass sie der Art der Arbeitsaufgabe entspricht und dass störende Blendungen, Reflexionen oder Spiegelungen auf dem Bildschirm vermieden werden. Eine Anforderung an den Stuhl enthält dieser Abschnitt nicht; die Verordnung regelt den Bildschirmarbeitsplatz, nicht das Sitzmöbel im Einzelnen.
| Anforderung im Verordnungstext | Praktische Folge für den Kauf |
|---|---|
| Bildschirm frei und leicht dreh- und neigbar | Fester Standfuß ohne Neigung reicht nicht, Monitorarm oder verstellbarer Fuß |
| Reflexionsarme Oberflächen bei Bildschirm und Tastatur | Glänzende Displays und Hochglanzplatten sind im Nachteil |
| Tastatur als getrennte, neigbare Einheit | Dauerarbeit direkt am Notebook ist davon nicht gedeckt |
| Handballen vor der Tastatur auflegbar | Tischtiefe so wählen, dass vor der Tastatur Fläche bleibt |
| Blendungen und Spiegelungen vermeiden | Bildschirm quer zum Fenster, nicht davor und nicht davorsitzend |
Die Verordnung gilt unmittelbar für Arbeitsstätten von Arbeitgebern. Für die eigene Wohnung ist sie keine Pflicht, aber sie ist die einzige verbindliche Beschreibung dessen, was ein Bildschirmarbeitsplatz leisten soll.

Stuhl: fünf Verstellungen, die wirklich etwas ändern
Die Zahl der Hebel sagt wenig aus. Entscheidend sind fünf Funktionen: Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehnenhöhe, Gegendruck der Lehne und Armlehnenhöhe. Fehlt die Sitztiefenverstellung, passt derselbe Stuhl für zwei Menschen mit gleicher Körpergröße und unterschiedlicher Oberschenkellänge nicht gleich gut.
Der Gegendruck der Lehne gehört auf das eigene Körpergewicht eingestellt, sonst kippt man entweder nach hinten oder arbeitet gegen eine Feder. Ein Stuhl, dessen Lehne starr ist, zwingt über 8 Stunden in eine einzige Position, und genau das ist das Problem, nicht die Form der Lehne.
Beim Preis sind drei Stufen erkennbar. Ein Stuhl für 250 € bringt meist Sitzhöhe und einfache Wippmechanik. Ab rund 500 € kommen Sitztiefe und einstellbarer Gegendruck hinzu. Oberhalb von 900 € geht es überwiegend um Material, Ersatzteilversorgung und die Zahl der Jahre, die der Hersteller Komponenten nachliefert.
| Beispielpreis | Sitzhöhe | Sitztiefe | Gegendruck einstellbar | Armlehnen verstellbar |
|---|---|---|---|---|
| 250 € | ja | selten | nein | fest oder keine |
| 500 € | ja | ja | ja | in der Höhe |
| 900 € | ja | ja | ja | in Höhe, Breite und Tiefe |
Die Zuordnung beschreibt die übliche Ausstattung in diesen Preisbereichen und ist keine Bewertung einzelner Modelle. Setzen Sie sich vor dem Kauf 20 Minuten auf den Stuhl, nicht 2 Minuten.
Tisch: Tiefe vor Breite
Die häufigste Fehlentscheidung beim Tisch ist eine Platte, die breit genug und zu flach ist. Mit 60 Zentimetern Tiefe steht der Bildschirm zu nah, und vor der Tastatur bleibt keine Fläche für die Handballen, die der Anhang der Arbeitsstättenverordnung ausdrücklich verlangt. Mit 80 Zentimetern Tiefe geht beides auf.
Höhenverstellbarkeit ist weniger eine Frage des Stehens als eine Frage der Anpassung. Selbst wer nie im Stehen arbeitet, stellt einen verstellbaren Tisch einmal exakt auf die eigene Sitzhöhe ein und hat das Problem für die gesamte Nutzungsdauer gelöst. Wer im Wechsel arbeitet, braucht eine Verstellung, die in unter 30 Sekunden erledigt ist, sonst wird sie nicht benutzt.
Für die Lebensdauer zählt die Platte mehr als der Antrieb. Eine durchgehende Massivholz- oder Mehrschichtplatte übersteht Jahrzehnte, eine beschichtete Spanplatte quillt an der ersten Stelle auf, an der Wasser steht. Rechnen Sie bei 8 Stunden täglicher Nutzung über 5 Jahre und 220 Arbeitstagen im Jahr mit rund 8.800 Stunden Belastung.

Vor dem Kauf
- Sitzhöhe von Kniekehle bis Boden messen und notieren
- Stuhl auf diese Höhe einstellen, bevor Sie die Tischhöhe beurteilen
- Prüfen, ob der Stuhl Sitztiefe und Gegendruck der Lehne verstellen lässt
- Tischtiefe von mindestens 80 Zentimetern einplanen
- Bildschirm so stellen, dass das Fenster seitlich liegt
- Tastatur als getrennte, neigbare Einheit vorsehen statt dauerhaft am Notebook zu arbeiten
- Bei gebrauchten Möbeln die Ersatzteilversorgung für Gasfeder und Rollen prüfen
Häufige Fragen
- Brauche ich zu Hause wirklich einen Bürostuhl?
- Bei gelegentlicher Nutzung an wenigen Tagen genügt ein stabiler Stuhl mit gerader Sitzfläche. Ab etwa 4 Stunden täglich zählen Sitztiefe und ein einstellbarer Gegendruck der Lehne, weil die Haltung sonst über Stunden unverändert bleibt. Die Grenze liegt nicht beim Preis, sondern bei der Zahl der Verstellungen.
- Reicht ein höhenverstellbarer Tisch ohne Motor?
- Für reines Sitzen ja: Ein Tisch mit Rastereinstellung wird einmal exakt justiert und danach nie wieder bewegt. Für den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen ist die Umstellzeit entscheidend. Dauert sie länger als 30 Sekunden, bleibt der Tisch in der Praxis in einer Position.
- Wie tief muss die Tischplatte mindestens sein?
- Die Arbeitsstättenverordnung nennt kein Maß, sondern eine Funktion: Die Arbeitsfläche vor der Tastatur muss ein Auflegen der Handballen ermöglichen. In der Praxis erfüllen 80 Zentimeter Tiefe das zusammen mit einem Bildschirm in ausreichendem Abstand, 60 Zentimeter in der Regel nicht.
- Was ist beim Kauf eines gebrauchten Bürostuhls zu prüfen?
- Gasfeder, Rollen und Polster. Eine Gasfeder, die unter Belastung absinkt, ist ein Verschleißteil und oft einzeln ersetzbar. Durchgesessene Polster lassen sich bei Modellen mit Ersatzteilversorgung tauschen. Beim Händlerkauf gilt für gebrauchte Ware nach § 476 BGB eine Mindestfrist von einem Jahr.
- Gilt die Arbeitsstättenverordnung in meiner Wohnung?
- Unmittelbar gilt sie für Arbeitsstätten, die ein Arbeitgeber einrichtet. In der eigenen Wohnung ist sie keine Pflicht. Ihr Anhang bleibt trotzdem die präziseste öffentlich zugängliche Beschreibung dessen, was ein Bildschirmarbeitsplatz leisten soll, und lässt sich als Prüfliste verwenden.
Quellen
- Anhang der Arbeitsstättenverordnung, Nummer 6 — Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen — geprüft am 2026-11-03
- § 476 BGB — Abweichende Vereinbarungen, Mindestfrist von einem Jahr bei gebrauchten Waren — geprüft am 2026-11-03
- BAuA — ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung nach außen, Ausgabe Mai 2023 — geprüft am 2026-11-03
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